Wissenschaft
Forschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen
Am Lehrstuhl für Ernährungspsychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen habe ich an einem Forschungsprojekt zum Zusammenhang zwischen Essstörungen, Körpererleben, psychischem Funktionieren und Kindheitserfahrungen mitgearbeitet.
Ich habe Literaturrecherchen durchgeführt und statistische Auswertungen übernommen. Die zugehörige Publikation, bei der ich Co-Autor bin, befindet sich aktuell in Vorbereitung.
Meine Masterarbeit: Selbstregulation statt Willenskraft
In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, wie verschiedene psychologische Faktoren Essverhalten vorhersagen. Im Fokus standen unter anderem:
- die Kapazität zur Selbstkontrolle
- Selbstmitgefühl
- emotionale Regulation
- der Umgang mit positiven Emotionen
- intuitives Essen, Gelüste und Heißhunger
- subjektiver Erfolg im Gewichtsmanagement und BMI
Zentrale Erkenntnisse
Die Ergebnisse zeigen: Essverhalten hängt deutlich mit psychologischer Selbstregulation zusammen. Allerdings nicht so, wie es oft vereinfacht dargestellt wird.
Nicht Überzeugungen über Willenskraft waren entscheidend.
Sondern die tatsächliche Kapazität zur Selbstkontrolle.
Diese wiederum stand in engem Zusammenhang mit anderen Faktoren. Ein freundlicher Umgang mit sich selbst, emotionale Klarheit und der Zugang zu positiven inneren Zuständen gingen mit weniger Gelüsten, mehr intuitivem Essen und besserer innerer Regulation einher.
Vereinfacht gesagt:
Menschen regulieren ihr Essverhalten besser, wenn sie gut mit sich umgehen und ihre inneren Zustände verstehen. Nicht, wenn sie sich stärker kontrollieren.
Warum das wichtig ist
Diese Ergebnisse stellen die Vorstellung infrage, dass Essprobleme primär ein Disziplinproblem sind. Sie zeigen, dass Selbstkontrolle kein isolierter Muskel ist, sondern eingebettet in emotionale und psychische Prozesse.
Für mich war das eine Bestätigung dessen, was ich auch in der Praxis beobachte: Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch mehr Druck, sondern durch bessere Selbstregulation.
Wie das meine Arbeit prägt
Meine Beratung basiert nicht auf einfachen Ursache-Wirkungs-Modellen. Sie berücksichtigt, dass Essverhalten aus vielen ineinandergreifenden Faktoren entsteht.
Die wissenschaftische Arbeit gibt meiner Haltung Rückhalt.
Und sie schützt davor, komplexe Probleme mit einfachen Antworten zu behandeln.
